Ideenstudio

Projekte: Der durchsichtige Mensch || Rote Saat  

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Raumzeitkugeln

Nike Scheibe o1

 

Nike Kugeln o1

 

Landeplatz o3

 

/ Idee: Franz John /
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von Franz John


Raumzeitkugeln

Zeit und Raum sind in der Relativitätstheorie keine festen Größen, sondern relativ zu der Geschwindigkeit, mit der sich ein Beobachter bewegt. Die Spezielle Relativitätstheorie (1905) bezieht sich auf alle Körper in Bewegung - die Allgemeine Relativitätstheorie (1916) bietet die zugehörigen Erklärungen zum Verständnis der Gravitation.

Zum Thema "Zeitverstreichen" geht man in der modernen Physik von Folgendem aus: Bewegt man sich zu 0% im Raum, dann bewegt man sich zu 100% in der Zeit. Bewegt man sich zu 10% im Raum, dann bewegt man sich zu 90% in der Zeit (also stets zu 100%). Bei Erreichen von Lichtgeschwindigkeit bewegt man sich "angeblich" zu 100% im Raum und zu 0% in der Zeit.

Um beispielsweise eine Zeitreise in die Zukunft zu unternehmen, müsste man sich somit zu -10% im Raum und zu 110% in der Zeit bewegen. Solchen Phänomenen sich auf spielerische Weise anzunähern ist Ziel eines künstlerischen Vorhabens, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer ehemaligen NATO-Raketenbasis auf dem Schöppinger Berg, sogenannte "Zeitkugeln" zu installieren.

Diese Zeitkugeln sind in erster Linie für Kinder – aber auch für Erwachsene - gedacht.

Im Unterschied zu den meisten SF-Märchen sollen diese metaphorischen "Zeitmaschinen" funktional, also mit allen Sinnen erfahrbar und nutzbar sein.

Das technische Prinzip ist zunächst einfach zu verstehen. Es funktioniert mechanisch - und ohne externen Energieaufwand - ähnlich den mittlerweile selten werdenden Drehkugeln auf Kinderspielplätzen, die durch bloße Motorik bzw. Muskelkraft angetrieben werden können. Im Unterschied dazu erschließt die gezielte Auswahl des Ortes völlig neue Wahrnehmungsräume, die die Phantasie fördern und so eine Annäherung an die oben genannte Idee ermöglichen. Durch die Positionierung solcher "Sphären" innerhalb der ehem. Raketenbasis, durch Ausstattung und Design (z.B. Verspiegelung oder Edelstahl), durch Häufungen (es sollen stets mehrere "Kugeln" installiert werden) lassen sich mannigfache Assoziationsketten erreichen.0% im Raum, dann bewegt man sich zu 100% in der Zeit. Bewegt man sich zu 10% im Raum, dann bewegt man sich zu 90% in der Zeit (also stets zu 100%). Bei Erreichen von Lichtgeschwindigkeit bewegt man sich "angeblich" zu 100% im Raum und zu 0% in der Zeit. Um beispielsweise eine Zeitreise in die Zukunft zu unternehmen, müsste man sich somit zu -10% im Raum und zu 110% in der Zeit bewegen.


Solchen Phänomenen sich auf spielerische Weise anzunähern ist Ziel eines künstlerischen Vorhabens, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer ehemaligen NATO-Raketenbasis auf dem Schöppinger Berg, sogenannte "Zeitkugeln" zu installieren. Diese Zeitkugeln sind in erster Linie für Kinder – aber auch für Erwachsene - gedacht.

Im Unterschied zu den meisten SF-Märchen sollen diese metaphorischen "Zeitmaschinen" funktional, also mit allen Sinnen erfahrbar und nutzbar sein.

Das technische Prinzip ist zunächst einfach zu verstehen. Es funktioniert mechanisch und ohne externen Energieaufwand - ähnlich den mittlerweile selten werdenden Drehkugeln auf Kinderspielplätzen, die durch bloße Motorik bzw. Muskelkraft angetrieben werden können. Im Unterschied dazu erschließt die gezielte Auswahl des Ortes völlig neue Wahrnehmungsräume, die die Phantasie fördern und so eine Annäherung an die oben genannte Idee ermöglichen. Durch die Positionierung solcher "Sphären" innerhalb der ehem. Raketenbasis, durch Ausstattung und Design (z.B. Verspiegelung oder Edelstahl), durch Häufungen (es sollen stets mehrere "Kugeln" installiert werden) lassen sich mannigfache Assoziationsketten erreichen.

Die noch heute spürbare "Ausstrahlung" des Ortes, seine ehem. Militärischstrategische Bedeutung - und seine jetzige Bedeutungslosigkeit – korrespondiert zudem mit der Relativität von Zeit und Raum. Der Ausblick vom Berg, die Drehbewegung der Kugeln sowie die sich in unmittelbarer Umgebung befindenden Windkraftanlage (aerodynamische Geräusche und Schattenwurf durch Rotorblätter) lassen Assoziationen zu einem Lande- oder Startplatz zu. Zudem symbolisieren Raketen, neben ihren kriegerischen Einsatzzwecken, die Raumfahrt und die damit verbundene Überwindung der Schwerkraft.

Als Brücke in die Zukunft - und in die Vergangenheit – bietet sich die Innenausstattung der Kugeln an. Hierzu wird z.B. die Antriebsscheibe in der Mitte der Kugeleinbezogen, die zum Fixpunkt innerhalb der rotierenden Kugel und der sich in derGeschwindigkeit verwischenden Umgebung wird. Auf diese Scheiben werden reliefartige Informationen angebracht, die - anders als bei einer Aussichtsplattform - nicht bloße Entfernungsangaben zu Orten oder touristischen Zielen anbieten, sondern Einblicke in archaische und moderne Weltbilder geben, bei denen die Scheibenform eine zentrale Rolle spielt. Zeitgenössische Darstellungen von Galaxien, Planetenbahnen sowie Darstellungen aus früheren Kulturen - wie die Himmelsscheibe von Nebra - könnten hier Verwendung finden.Die Kugelform ist in diesem Kontext ebenfalls bewusst gewählt. Sie wird - einmal in Bewegung gesetzt - vor allem für Kinder zu einer eigenen "Welt" - und somit ein Symbol für Raum. Gleichzeitig gilt die Kugel als die "vollendete Form" und lässt durch die Verwendung der genannten reflektierenden Materialien selbst aus der Ferne viele Assoziationsketten zu: Globus, Planeten, Sonne, Ufos, Kugelblitze, Satelliten, Wunschkugeln usw...

Angedacht ist weiterhin, dass die Öffnungen der Kugeln - ähnlich wie bei einer Gondel - verschlossen bzw. abgedunkelt werden können. Nach dem Prinzip der Camera Obscura könnte durch schmale Lichtschlitze in der Kugeloberfläche das vorbeirauschende "Außen" - auf dem Kopf stehend - in das Innere projiziert werden. (Hierzu sind noch weitere Machbarkeitsstudien notwendig).

Anmerkung: Während eines Stipendiums im Künstlerdorf Schöppingen habe ich bereits umfangreiche Recherchen zur Nutzung der Raketenbasis auf dem Schöppinger Berg betrieben. (www.f-john.de/lostplaces) .

Dieses in Form eines Weblogs konzipierte Projekt dient, neben den reportagehaften Berichten und Fotos, als Forum für einen interdisziplinären Austausch (Künstler, Architekten, Programmierer, Soziologen usw.). Eine metaphorische Andockstation für fiktive und reale Gedanken zur möglichen Nutzung solcher "Lost Places", z.B. als Park- und Landeplatz für zukünftige Fortbewegungsmittel und Kommunikationsstrukturen.

Es geht also weniger darum, solche Areale einer kurzfristigen, mehr oder minder entstellenden Nutzung zu unterziehen, sondern um zukunftsweisende Ideen und Utopien, wie sie beispielsweise in Italo Calvinos Roman „Die unsichtbaren Städte“ oder in dem SF-Roman „Picknick am Wegesrand“ der Gebrüder Strugatzki thematisiert werden.
Die genannten "Zeitkugeln" wären ein denkbar geringer Eingriff in das Areal, im Prinzip der Spielplatz zu einem mehr geistig-virtuellen Landeplatz. Die Kugeln korrespondieren mit der Ursprünglichkeit des Ortes, geben dem Bewegungsdrang von Kindern Platz und können - durch die Nutzung solcher "Lost Places" - den Vandalismus in solchen Arealen zumindest vorbeugend entgegenwirken.

Grundsätzlich sind die dargestellten Ideen nicht nur auf dem Schöppinger Berg realisierbar, sondern so konzipiert, dass sie auf vergleichbare Orte aus der Zeit des Kalten Krieges übertragbar sind. Vorstudien haben bereits zum Hill 88, San Francisco (Nike Missile Basis, teilw. genutzt als "Historical Cold War Area") und zum Teufelsberg, Berlin, (amerik. Abhörstation) stattgefunden.

Über Franz John

1960 Geboren in Marktleugast / D
lebt seit 1980 in Berlin

1978 –1984 Studium "Visuelle Kommunikation" in Wüzburg, D
1989 u.1991 Teilnahme an der Biennale von Sao Paulo, Brasilien
1996 Artist in Residence im Headlands Center for the Arts, San Francisco, USA
2001 u. 2003 Visiting Faculty, Ohio State University, (Department of Art), USA
2003 Gastlehrauftrag, Universität Paderborn (FB Medienwissenschaften), D
2006 Visiting Artist, University of Michigan (School of Art & Design), USA
2006/2007 Stipendium, Künstlerdorf Schöppingen, Schöppingen, D
2007 Visiting Faculty, University of Michigan (School of Art & Design), USA

Austellungen von Franz John

Ausstellungen/Projekte (Auswahl 2001- 2006); EA=Einzelausstellung

2006 Turing Tables, Museum Exploratorium, San Francisco, USA (EA)
Liquid Matter, Kunstraum Kreuzberg (Bethanien), Berlin, D
Strictly Berlin, Galerie der Künste, Berlin, D
Exceptionals, Galerie Schüppenhauer, Köln, D

2005 communication in evolution, Media Lab Madrid, Spanien
Salztangente, Skulptur Biennale 2005, Münsterland, D
communication in evolution, Centro Digital, Las Palmas de Gran Canaria, Spanien
Arco Madrid, Spanien (Galerie Schüppenhauer)

2004 inVISIBLE art_science, ZKM Karlsruhe (Nomination, Media Art Award 2004)
Turing Tables, Galerie Schüppenhauer, Köln, D (EA)
interface black box : white cube, garage 8, Stralsund, D

2003 Arco Madrid, Spain (Galerie Schüppenhauer/individual project)
Viper Mediafestival, Basel, Schweiz
Observatori, Museo de las Ciencias Principe Felipe, Valencia, Spanien
Hopkins Hall Gallery, Columbus, OH, USA
HyperKult 12, Universität Lüneburg, D

2002 Der Berg, Kunstverein Heidelberg, D
Art Frankfurt, (Galerie Schüppenhauer)
InsideOut, Festival for Contemporary Art, Berlin, D
HyperKult 11, Universität Lüneburg, D

2001 European Media Art Festival, Osnabrück, D
Art Santa Fe, USA (Galerie Schüppenhauer)
Grenzpassagen, Kunstverein Frankfurt/Oder, D (EA)
interzone, Artstudio, Kunstmuseum Skopje, Macedonien (EA)
Korrespondenzen, ifa-Galerien in Berlin, Bonn, Stuttgart, D
Vous sortez du secteur, Kunstverein KKR, Köln, D (mit Pierre Granoux) (EA)


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